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Freitag, 23. September 2011 - 12:56 Uhr
Die Bürgschaft im Kammerspiel

Schillers Ballade einmal anders: Dionys der Tyrann wird zum Geldeintreiber, aus Möros ein Investmentbanker, der gleich noch die Rolle des unglücklichen Räubers übernehmen muss und aus dem treuen Freund wird die ahnungslose Ehefrau. So verwandelt sich Schillers Ballade von Ehre, Liebe, Treue und Freundschaft Stück für Stück in einen postmodernen Thriller, von Lothar Kittstein mit guter Beobachtungsgabe umgesetzt. Als die Ballade »Die Bürgschaft« entstand, lagen die Französische Revolution und der Terror, in dem sie endete, keine vier Jahre zurück. Eine frische Wunde. Die Ideale lagen noch spürbar in der Luft, und es ist, als ob Schiller den kühnen, edlen Menschenentwurf mit diesem Gesang voll pathetischer Wucht noch einmal beschwören wollte. Die neue dramatische Frankfurter Version der »Bürgschaft«, die als Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen entstand, erzählt von einem Paar aus der Mittelschicht (Anita Vulescia und Isaal Dentler), das durch den Einbruch von Gewalt in Person von Till Weinheimer in seiner wohlgeordnete Welt zutiefst erschüttert wird. Kittstein erzählt die Konflikte ohne utopische Horizonte, als Gefährdung der privaten Existenz. Ihn interessiert, wie Menschen in Extremsituationen handeln, wozu sie fähig sind, wenn ihr Leben aus der Bahn geworfen wird. Was tun sie, wenn sie in eine Art Naturzustand zurückgeworfen werden, wie dick ist die Decke der Zivilisation und was passiert, wenn sie endlich reißt.In weiteren Rollen beeindrucken in dem von Lily Sykes recht flott inszeniertem Stück Josefin Platt, Henrike Johanna Jörissen und Ernst Alisch, während Kornelius Heidebrecht für irritierende Musikeinlagen sorgt.

Freitag, 23. September 2011 - 12:38 Uhr
Liliom im Kammerspiel

Liliom (überzeugend Oliver Kraushaar) ist als Ausrufer der Star des Rummelplatzes, weil er die Mädchen anlockt. So lebt er am Rande der Gesellschaft, zwischen Gauklern, Glückssuchern und Träumern von den Frauen, die ihm Geld und Zärtlichkeit schenken. Als er auf dem Ringelspiel die Dienstmagd Julie (exzellent dargestellt von Henrike Johanna Jörissen) um die Taille nimmt, wie er es schon mit vielen Mädchen vor ihr gemacht hat, beginnt eine Liebesgeschichte, die bis in die Abgründe des Fegefeuers führt. Liliom verliert seine Stellung, Julie wird schwanger und die Sehnsucht nach einem besseren Leben lässt das junge Paar in finanzielle Not und Perspektivlosigkeit abstürzen. Aus Scham, ihr keine Existenz bieten zu können, schlägt Liliom Julie, anstatt ihr seine Liebe zu gestehen. Um an Geld zu kommen, unternimmt er einen Raubüberfall, der gründlich misslingt. Liliom flüchtet sich in den Selbstmord. Doch Molnar lässt seinen Anti-Helden nicht zur Ruhe kommen – als alles vorbei und scheinbar vertan ist, ist der Weg für Liliom noch nicht zu Ende und im Reiche Gottes fängt alles wieder von vorne an. Franz Molnars lebensnahe Vorstadtlegende, die er 1909 in Budapest auf die Bühne brachte, verbindet märchenhaftes mit einem aus dem Leben gegriffenen Volksstück, Boulevard meets Sozialdrama, Kitsch trifft auf Schmutz. Mit viel Ironie zeigt Molnar Lilioms mangelnde Lebnserfahrung. Das Stück, das auch als Vorlage für das Msicla "Carousel" diente, wurde oft verfilmt und soll demnächst mit dem Frauenschwarm Hugh Jackman auf die Kinoleinwand kommen. Flott inszeniert und von Oliver Urbanski und Band musikalisch begleitet wurde es von Christoph Mehler, dem neuen Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt, der bereits mit Marbers »Hautnah« zeigte, was er kann, frü Frasnkfurt umgesetzt.

Donnerstag, 1. September 2011 - 18:07 Uhr
The Importance of Being Earnest im English Theatre

Eine triviale Komödie für ernsthafte Menschen? Wohl mehr, denn schließlich stammt das Stück aus der Feder von Oscar Wilde. Unter dem Vorwand, sich um seinen Bruder kümmern zu müssen, entflieht Jack dem biederen Landleben. Der „Bruder“ aber ist niemand anderer als Jack selbst, der so unter dem Namen Ernst ein fröhlich-freies Doppelleben führen kann. Jacks Komplize Algernon entkommt seinen Verpflichtungen, indem er zu einem gleichfalls erfundenen Freund Bunbury aufs Land fährt und sich allen möglichen amourösen Eskapaden hingibt, bis er sich unsterblich in Cecily verliebt. Jacks Herzensdame Gwendolen verliebt sich nur in ihn, weil Jack sich ihr als Ernst vorstellt. Sie hatte sich geschworen, nur einen Mann zu heiraten, der Ernst heißt. Aber ernst soll Ernst dann doch nicht sein, aber alles, was zählt, ist, Ernst zu sein. Sie meren: Earnest (Ernst) hat hier eine etwas andere Bedeutung.

Mittwoch, 31. August 2011 - 19:05 Uhr
Je t'aime:: Je t'aime im Bockenheimer Depot

Es war ein erfolgreiches Experiment, das Lothar Kittstein und Bernhard Mikeska im Frankfurter Bockenheimer Depot starteten. Bereits lange vor dem Start alle Plätze vergeben und auch die Zusatzveranstaltungen waren schnell verkauft, so dass es einigen Mut braucht, um an der Abendkasse des Bockenheimer Depots nach Restkarten anzustehen. Die Zuschauer werden in einen großen zentralen Raum gebeten und können dort auf einem Sofa oder am Tisch Platz nehmen. Bei weitem ist nicht Platz für alle 70 Zuschauer vorhanden und so steht jeder so gut es geht herum, versucht sich zu orientieren und den Schauspielern nicht im Weg zu stehen, die sich dort auch ihren Weg bahnen müssen. Traute Hoess spielt die nachdenkliche Filmdiva Catrine. Auf dem Tisch vor mir stehen weiße Lilien. Dass sie echt sind verrät ihr intensiver Geruch. Ein Swimmingpool mit Hügellage und Großstadt-Panorama auf der einen, ein Wohnzimmer mit bequemem Sofa auf der anderen Seite. So wird der Zuschauer zum Gast in der Villa der Filmdiva, die ihren 50. Geburtstag feiert. Vor zehn Jahren wurde sie über Nacht zum Star mit dem legendären Film »Je t’aime«. Heute ist sie umgeben von denen, die ihr am nächsten stehen: ihrem Mann, Freunden und Kollegen. Ein Fest? Etwas scheint nicht zu stimmen, wie man als Zuschauer durch die Kopfhörer mitbekommt, die voyeuristischen Einblick gewährt in die Nebenwelten. Betrug, Demütigung und Todessehnsucht dringen in die Realität der Traumfabrik ein. Auch eine junge attraktive Schauspielerin hat an diesem Tag Geburtstag – nur ein seltsamer Zufall? Welches Rätsel verbirgt das Drehbuch des Films? Wer war Schuld am tragischen Ende der Frau, von deren Schicksal »Je t’aime« erzählt? Je länger der Abend andauert, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Vergangenheit und Gegenwart – zwischen Leben und Tod. Die Raumgestaltung hat Dominic Huber übernommen und ein schickes Haus gebaut. Manchmal ändert sich für den Zuschauer die Perspektive, denn er befindet sich auf einer Drehbühne. Beim nächsten Akt, der nahtlos anschließt sind die Rollen verändert, sie spielt zehn Jahre später. Was ist aus den Akteuren geworden, wie haben sich Liebschaften entwickelt, wie das große Projekt, dass am Anfang im Mittelpunkt stand. Lothar Kittstein gibt dem Zuschauer Spielraum für eigene Ideen. Nicht jeder der Zuschauer hört übrigens den gleichen Text. Drei Tonspuren werden ihm über die Kopfhörer zugespielt und man muss sich manchmal suchend bemühen die gerade im Kopf agierenden Schauspieler zu finden. Franziska Junge und Valery Tscheplanowa spielen die Nachwuchsschauspielerin, die sich Hoffnung auf die Besetzung der Hauptrolle der Neuverfilmung machen. Nils Kahnwald ist der junge Liebhaber, Peter Schröder und Thomas Schmidt sind als Ehemann und Regisseur dabei. Gut dass man nicht im Haupthaus spielen muss, denn dort hat ein Wasserrohrbruch einiges lahm gelegt, aber Mitte September darf sich dann der Kulturfreund auf Schillers »Räuber«, Jelineks »Winterreise« und Molnars »Liliom« freuen.

Mittwoch, 31. August 2011 - 18:37 Uhr
Noch´n Gedicht - Heinz Erhardt-Revue in der Komödie

Er war einer der Deutschbalten, die kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs ihre Heimat verlassen mussten. Gut so, denn für Heinz Erhardt war seine Heimatstadt Riga schon zu klein geworden, also ging er gerne nach Berlin: Bis heute - fast 32 Jahre nach seinem Tod - ist er einer der beliebtesten Komiker und größten Comedians Deutschlands: Mit tiefgründigem Humor begeistert Heinz Erhardt die Deutschen nun schon seit den 50er Jahren durch Reime, Sketche und Filme. Erhardt war stilprägend für die ihm folgenden Comedians Deutschlands und sein spielend leichter Umgang mit der deutschen Sprache ist bis heute legendär und unvergessen.Heinz Erhard war und ist ein Phänomen, und diesem hat sich Thorsten Hamer angenommen. Mit der Pomade im Haar, der schwarzen Hornbrille auf der Nase, sieht er Erhardt zum Verwechseln ähnlich, doch auch die perfekt inszenierte Unbeholfenheit lässt vor den Augen der Zuschauer ein perfektes Abbild des Komikers entstehen. Thorsten Hamer präsentiert nun die beliebtesten Geschichten und Gedichte - ein Abend mit Lachgarantie. Vom 3. bis zum 18. September ist er in der Komödie zu sehen.

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