Mittwoch, 7. Dezember 2011 - 14:31 Uhr
Städel erwirbt Papst-Portrait von Raffael

Eine bislang unbekannte Fassung des Porträts von Papst Julius II. von Raffael und seiner Werkstatt hat jetzt das Städel erworben. Bevor es zusammen mit dem Rest der Alten Meister ab Mitte Dezember der Öffentlichkeit präsentiert wird, hat man das 106 mal 78 Zentimeter große Bildnis erst einmal kunsthistorisch und gemäldetechnologisch analysiert und untersucht und alte Firnis und Retuschen entfernt.
Das Bildnis des sehr kunstsinnigen, aber auch sehr jähzornigen Papstes zählt zu Raffaels berühmtesten Werken und zeigt ihn zwischen Juni 1511 und März 1512 in Rom entstanden und zeigt den knapp 70-jährigen rund ein Jahr vor seinem Tod lebensgroß in Dreiviertelfigur auf einem Lehnstuhl sitzend. Während dieser Zeit war Raffael mit der Ausmalung der päpstlichen Gemächer und der heute in Dresden hängenden Sixtinischen Madonna beschäftigt. Von dem Papstbildnis sind mehrere Fassungen bekannt. Die berühmteste befindet sich in der National Gallery in London, eine weitere in den Uffizien in Florenz. Die nun vom Städel erworbene Fassung weist im Gegensatz zu diesen beiden Gemälden eine Reihe im Verlauf der Ausführung getätigter Veränderungen auf. Die mit Infrarotreflektografie sichtbar gemachte Unterzeichnung lässt erkennen, dass im Gesicht und bei der Position des Stuhls und bei der Lage der rechten Hand des Pontifex Änderungen vorgenommen wurden. Die Herkunft lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1905 zurückverfolgen, als es in Paris versteigert wurde. Über verschiedene Privatbesitzer gelangte das lange Zeit als Arbeit eines Nachahmers angesehene Portrait 2007 in die Privatsammlung Ellermann, der es das Städel im vergangenen Jahr dank des Entgegenkommens des Verkäufers zu einem deutlich unter dem Marktwert liegenden Preis abkaufen konnte. Vor der Versteigerung im Jahr 1905 befand sich das Bild vermutlich im Besitz der Familie della Rivere, der neben Papst Julius II auch Papst Sixtus VI. als dessen Onkel angehörte, nach dem die Sixtinische Kapelle des Vatikan benannt wurde. Die berühmten Deckengemälde gab Neffe Julius II. in seinem Pontifikat bei Michelangelo in Auftrag.
Das Städel hat das Bild jetzt Raffael und seiner Werkstatt zugeschrieben, was zu einiger Diskussion in Kreisen der Kunsthistoriker führen dürfte. Um diese Fragen geht es ab November 2012 in einer Ausstellung unter dem Titel „Raffael und das Bildnis Julius’ II. Bildpropaganda eines Renaissance-Papstes“, in der man die Untersuchungsergebnisse vorstellt und Vergleiche vor Augen führt. Erstmals wird das Gemälde Julius’ II. ab dem 15. Dezember 2011 in der nach 14-monatigen Sanierungsarbeiten wiedereröffneten und neu gestalteten Sammlungspräsentation „Alte Meister“ im Städel zu sehen sein.
„Wir schätzen uns außerordentlich glücklich“, so Städel-Direktor Max Hollein, „ein so hochkarätiges Werk der Hochrenaissance für unsere Altmeistersammlung gesichert zu haben. Für ein Haus, an dem die Raffael-Forschung eine fast 200-jährige Tradition hat und das in seiner Graphischen Sammlung wichtige Werke Raffaels beherbergt, ist dieser Neuzugang von ganz besonderer Bedeutung.“
Freitag, 11. November 2011 - 15:56 Uhr
Orquestra de Cadaqués gibt spanisch-französischen Abend
In der Reihe „Meisterkonzerte“ von Pro Arte gastiert am kommenden Dienstag, dem 15.11. um 20 Uhr das spanische Orquestra de Cadaqués unter der Leitung von Gianandrea Noseda in der Alten Oper. Solist des Abends ist Xavier de Maistre. Der Franzose überrascht sein Publikum immer wieder mit nie dagewesenen Klängen und ignoriert dabei bewusst die Grenzen seines Instruments. Als preisgekrönter Harfenist hat er sich vom Soloharfenisten der Wiener Philharmoniker zu einem der erfolgreichsten Künstler seiner Zunft entwickelt. Mit der Aufführung von Rodrigos „Concierto de Aranjuez“, tritt er in die Fußstapfen seines berühmten baskischen Vorgängers Nicanor Zabaleta und steht im Mittelpunkt des temperamentvollen spanisch-französischen Abends.
Dienstag, 20. September 2011 - 13:35 Uhr
Interpretenportrait in der Alten Oper
Sie sind eingespielte Partner. Zehn Jahre ist es her, dass der französische Cellist Gautier Capuçon und sein Landsmann Jean-Yves Thibaudet erstmals beim Spoleto-Festival aufeinandertrafen. Seitdem kreuzen sich die Wege der beiden Musiker immer wieder, so wie auch jetzt beim gemeinsamen Kammermusikabend am heutigen Abend um 20 Uhr an im Mozart Saal der Alten Oper. Gautier Capuçon war bei seiner ersten Begegnung mit dem Pianisten gerade mal zwanzig Jahre alt, hat dann aber eine bemerkenswerte Karriere erlebt und sich als einer der besten Künstler seiner Generation profiliert – Grund genug, dass die Alte Oper Frankfurt ihm in diesem Jahr das Interpretenporträt im Rahmen des Auftakt-Festivals widmet.
Auf dem Programm stehen Ludwig van Beethovens Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts Zauberflöte – für Capuçon „delikate, geniale Miniaturen“ – und Dmitri Schostakowitschs Cellosonate d-Moll, deren Tiefe und Kraft gerade im langsamen Satz Capuçon berührt. Auf Robert Schumanns poetische Fantasiestücke op. 73 folgt schließlich die weniger bekannte Cellosonate a-Moll von Edvard Grieg, die mit „herrlichen Themen arbeitet“, so Capuçon
Dienstag, 20. September 2011 - 13:30 Uhr
Großartige Mischung zwischen Altem und Neuem

Frankfurt kann sich über sein reiches Kulturleben freuen. Es ist Bernd Loebes zehnte Spielzeit an der vielfach ausgezeichneten Frankfurter Bühne, die er zusammen mit Generalmusikdirektor Sebastian Weigle leitet. 2002 kam Loebe als Intendant an die Oper Frankfurt, die zu den ambitioniertesten Musikbühnen im Lande zählt. Eine Begegnung mit dem erfolgreichen Intendanten ermöglicht das Theaterfest von Oper und Schauspiel am Sonntag, 25. September.
Mozarts „Zauberflöte“ unter Christoph von Dohnanyi war die erste Oper, die er im Frankfurter Theater gesehen hat. Und für Bernd Loebe begann damit eine Liebe fürs Leben. Fast jeden Abend ging der damals Sechzehnjährige ins Opernhaus. Freilich nicht allein der Musik und des Bühnengeschehens wegen, sondern auch, „weil ich eine Insel suchte“, weil er hier so etwas wie ein Zuhause fand, wohin er flüchten konnte vor einem schwierigen Alltag mit problematischen Familienverhältnissen.
Klar, eindeutig und fair
Aus dieser Zeit und ihren Erlebnissen, meint er heute nachdenklich, „habe ich ein großes Harmoniebedürfnis entwickelt“. Zwei Dinge hat er sich damals geschworen: In einem Streit niemals laut zu werden und, falls er einmal in einer leitenden Stellung sein sollte, immer klar, eindeutig und fair zu sein im Umgang mit Menschen. Solche Eigenschaften kamen und kommen Bernd Loebe, seit er das Amt des Intendanten der Frankfurter Oper inne hat, zugute. Der früherer HR-Musikjournalist, der in den achtziger Jahren unter anderem für seinen Sender von den Bayreuther und Salzburger Festspielen und anderen internationalen Musikfestivals berichtete, wurde 1990 als künstlerischer Direktor an die Brüsseler Oper La Monnaie berufen und zehn Jahre später zunächst Berater an der Oper Frankfurt und schließlich mit der Spielzeit 2002/2003 deren Intendant.
Der Intendant hat eine Spürnase
Kritiker landauf, landab, zollen der Frankfurter Oper höchstes Lob, sie zählt ohne Zweifel zu dem Kreis der ambitioniertesten und interessantesten Musikbühnen und wird regelmäßig mit den höchsten Auszeichnungen bedacht. In der jährlichen Wahl zum „Opernhaus des Jahres“ durch die Kritiker des Fachmagazins Opernwelt belegte die Bühne in den letzten Jahren einmal den ersten (2003) und danach mehrfach einen der vorderen Plätze. Zuletzt hat das Frankfurter Opernhaus bei der jährlichen Kritiker-Umfrage des Theatermagazins "Die Deutsche Bühne" den ersten Platz in der Kategorie "Überzeugende Gesamtleistung" belegt. Die Fachleute zeigten sich besonders vom dramaturgischen Profil und dem hohen musikalischen wie darstellerischen Niveau der Bühne beeindruckt, die damit bereits zum siebten Mal einen Spitzenplatz bei dieser Umfrage belegte. Diese Erfolge verdanken sich nicht zuletzt auch der guten Spürnase des Intendanten, der jahrelang weltweit Talente gesucht und gefunden hat.
Fabelhaftes Ensemble
Insgesamt, sagt Bernd Loebe, beneide man in der Fachwelt Frankfurts Oper um ihr „fabelhaftes Ensemble“ mit Sebastian Weigle als Chefdirigent, mit einem vorzüglichen Chor und sehr guten Solisten. Dreimal so groß sei das Ensemble heute wie vor zehn Jahren, und es biete wesentlich mehr Neuproduktionen, so Loebe. Sein Job als Intendant bestehe zu einem hohen Prozentsatz aus der Überlegung, was überhaupt machbar sei, sagt er, doch trifft er viele Entscheidungen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch „aus dem Bauch heraus“. Und trotz mancher Schwierigkeiten bedeutet seine Arbeit für ihn „ein großes Glück“. Außerdem - und da spielen sicherlich frühe Erfahrungen mit - sei Theater „eine wunderbare Form der Lebensbewältigung“.
Musik hält ihn immer fest
Unter dem Motto „Theater darf kein Museum sein“ möchte er mit seinem Spielplan als einer „großartigen Mischung zwischen Altem und Neuem“ neugierige und aufgeschlossene Besucher erreichen, die sich nicht ausschließlich für Verdi und Puccini, sondern auch für Franz Schreker oder Benjamin Britten begeistern lassen. Ihm selbst macht es Freude, häufig bei den abendlichen Vorstellungen anwesend zu sein. Auch wenn er nur mal eben vorbei schauen möchte, bleibt er doch oft bis zum Schluss. Musik hält ihn offenbar immer fest, selbst wenn er, eben erst von einer Auslandsreise zurückkommend, am Probenraum vorbei geht, kurz mal reinhören will und darüber fast die Zeit vergisst.
Disziplin und Teamgeist
Privates kommt bei allem natürlich ziemlich kurz. „Dabei war ich mal ein großer Sportler und habe bei der Eintracht Fußball gespielt“, sagt er etwas betrübt und zieht gleich wieder Parallelen zur Oper. „Disziplin und Teamgeist sind sowohl beim Fußball als auch bei der Oper notwendig.“
Entdeckungsreise in die Welt von Oper und Schauspiel
Bernd Loebe ist auch dabei, wenn am Sonntag, 25. September ab 11 Uhr die Städtischen Bühnen wieder zu einem Theaterfest im ganzen Haus einladen. Künstler und Mitarbeiter nehmen die Besucher mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Oper und des Schauspiels. Blicke hinter die Kulissen zeigen die Arbeit einzelner Abteilungen und die neuen Werkstatträume. Die Kostümabteilung präsentiert eine Ausstellung mit besonders aufwändigen Arbeiten, außerdem können Kostüme erworben werden. Eine Auswahl ihrer Fertigungstechniken sowie aktuelle Bühnenbildmodelle sind bei den Werkstätten zu sehen. Und natürlich gibt es Darbietungen auf den Bühnen. Bernd Loebe stellt neue Ensemblemitglieder vor, und Orchestermusiker geben Einblicke in ihre Arbeit. Schließlich demonstriert auch der Kinderchor sein Können, und auf den Probebühnen zeigen Regieassistenten, wie eine Operninszenierung entsteht. Auch Vorstellungen für Kinder stehen auf dem Programm, durch die der Nachwuchs in die Welt der klassischen Musik eingeführt werden soll.
Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt
Montag, 19. September 2011 - 14:02 Uhr
London Philharmonic Orchestra kommt mit Julia Fischer
„Für die Geige ein einziger liedhafter Bogen über mehr als 20 Minuten, für das Orchester transparente Klanglichkeit und Farbenmelodie“: So beschreibt der Komponist Matthias Pintscher sein Violinkonzert „Mar’eh“, dessen deutsche Erstaufführung im Zentrum des Gastspiels des London Philharmonic Orchestra am Mittwoch, 28. September 2011, im Großen Saal der Alten Oper steht. Die Leitung hat Vladimir Jurowski, den Solopart übernimmt jene Geigerin, für die Pintscher sein neues Werk komponierte: Julia Fischer.
„,Mar’eh‘“, erläutert Matthias Pintscher, „heißt Antlitz, Zeichen. Das hebräische Wort kann auch die Aura eines Gesichtes meinen, eine schöne Erscheinung, etwas Wunderbares, das plötzlich vor Dir aufscheint. Ich kam auf dieses Wort, als ich an diese feinen Linien dachte, die sie [Julia Fischer] mit ihrem Instrument spinnen kann, dieses ganz intensive, aber leichte Spiel.“
Genau jener transluzente Grundton faszinierte auch Publikum und Presse bei der Uraufführung des Werks vor einigen Tagen in Luzern. Die Neue Zürcher Zeitung schwärmte, wie „Julia Fischer mit ihrer makellosen Technik all die kleinen Schattierungen zu formulieren“ wusste und sprach von „einem Atemzug in vollendeter Poesie“. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb das Konzert als „zarte Seelenwelt“ und begeisterte sich dafür, wie es "säuselte und blitzte und grummelte“ – der „Höhepunkt des Abends“.
Pintschers Neukomposition wird eingefasst von zwei Werken des 18. Jahrhunderts – Ludwig van Beethovens kontrastreicher Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ und Johannes Brahms’ vierter Sinfonie, Gipfelpunkt seines von der Technik der entwickelnden Variation geprägten sinfonischen Schaffens.
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