Montag, 16. April 2012 - 11:05 Uhr
Neue Stimmen 2011

Alle zwei Jahre sucht die Bertelsmann Stiftung weltweit nach aussichtsreichen jungen Sängerinnen und Sängern, um ihnen den Weg auf die Opernbühnen der Welt zu ebnen. Im letzten Jahr konnte die 28-jährige Ukrainerin Olga Bezsmertna die Jury für sich gewinnen und ein Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro einstreichen. Auf den Plätzen zwei und drei landeten beim mit sechs Künstlern besetzen Finale in Gütersloh hinter der Sopranistin der südkoreanasiche Bassist Jongmin Park und der chinesische Tenor Jinxu Xiahou.
41 junge Talente qualifizierten sich bei den weltweiten Vorauswahlen in 23 Städten für die einwöchige Endrunde in Gütersloh, 15 konnten im Semifinale singen. Insgesamt hatten sich über 1.400 Sängerinnen und Sänger beworben. Liz Mohn, Präsidentin des Wettbewerbs und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, betonte in ihrer Festrede, dass die NEUEN STIMMEN für Qualität, Leistung und Wettbewerb stehen, aber gleichzeitig für das Miteinander junger Künstler aus den verschiedensten Ländern. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie gut sich die jungen Sängerinnen und Sänger aus aller Welt verstehen und wie Freundschaften entstehen.“ Nicht nur die Sieger des Wettbewerbs profitieren von den NEUEN STIMMEN. „Die erfahrenen Mitglieder unserer Jury (zu denen auch Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe gehört, Anmerkung der Redaktion) nehmen sich für jeden Sänger viel Zeit und beraten auch Teilnehmer, die nicht bis ins Finale gekommen sind“, sagt Liz Mohn, der es ein großes Anliegen ist, die jungen Talente auch auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Einige der Nachwuchssänger, die der Jury besonders aufgefallen sind, werden im kommenden Jahr an einem speziellen Meisterkurs teilnehmen können. Vorsitzender der zehnköpfigen Jury ist Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper. Ab Januar 2013 können sich junge Sängerinnen und Sänger für die nächste Edition des Wettbewerb bewerben. Mit den Teilnehmern des Finale und Semifinale wurde jetzt eine CD und DVD herausgegeben.
Mittwoch, 11. April 2012 - 20:08 Uhr
Monteverdi, L'incoronazione di Poppea

Die Kollegen von El Pais waren begeistert. „William Christies Leistung mit Les Arts Florissants ist enorm. Mit seinen 17, auf historischen Instrumenten spielenden Musikern, beschwor er eine wahre Orgie an Nuancen herauf, er erschuf raffiniert Atmosphäre und bewies Gefühl für die Akzente des Werkes“. Mit diesen Worten lobten sie das faszinierende Monteverdi-Projekt des großen Alte-Musik-Spezialisten am Teatro Real in Madrid. Jetzt erscheint die Produktion der Oper L'Incoronazione di Poppea aus dem Jahre 2010 in einer wahren Spitzenbesetzung mit Philippe Jaroussky, Danielle de Niese, Anna Bonitatibus und Max Emanuel Cencic auf DVD. Nach der vor etwa zehn Jahren erschienenen Aufnahme der Oper "Il Ritorno d’ Ulisse in patria" widmet sich Christie hier einem Werk, in dem politische Botschaften im Mittelpunkt stehen: In seiner letzten Oper, die Monteverdi im hohen Alter von 74 Jahren schrieb, brachte der Komponist einen der berüchtigtsten römischen Kaiser auf die Bühne: Nero, der seine Gattin Ottavia verstößt, um seine Geliebte Poppea zur Kaiserin zu machen. Um das Ziel zu erreichen, zwingt er den Philosophen Seneca zum Selbstmord und schickt seine Gemahlin in die Verbannung. Die Produktion der Poppea war der Höhepunkt eines Monteverdi-Projekts, mit dem William Christie drei Jahre lang mit weltweiter Ausstrahlung in Madrid tätig war. Das Werk, das als Monteverdis reifste Komposition gilt und ganz auf die extrem nuanciert gestalteten Solo-stimmen setzt, erfordert wegen seines packenden Realismus abseits aller Mythologie Sänger, die zu besonders expressiver Darstellung fähig sind. Großartige Oper, gekonnt auf DVD gebannt.
Claudio Monteverdi, L'incoronazione di Poppea, 2 DVDs, ASIN B007ATHNJA, 25,99€
Donnerstag, 8. Dezember 2011 - 18:02 Uhr
Aufsteigender Sopran in der Alten Oper
Es hatte etwas von einem Kessel Bunten, was Christoph Poppen Anfang Dezember im gut besetzten Großen Saal der Alten Oper dirigierte. Mozart-Arien aus er Zauberflöte und Cosi fan tutte, das bekannte Duett aus den Perlenfischern, Verdi, Puccini und Leoncavallo. Zwar lohnte es nicht wegen des Moderators Michael Quast, der nicht sehr viel Erleuchtendes beitragen konnte und auch nur bedingt wegen des Tenors Peter Lodahl und des Baritons Nikolay Borchev, doch was die 28-jährige ukrainische Sopranistin Olga Bezsmertna vortrug, lies durchaus auf eine beachtenswerte Zukunft hoffen. Die Sopranistin studierte bis 2010 in ihrer Heimat, gewann dort schon einige angesehene Preise und singt heute am Kiewer Opernstudio. Ihr Rollenrepertoire umfasst die Pamina in Die Zauberflöte, Micaëla in Carmen, Marguerite in Gounods Faust und die Gräfin in Le nozze di Figaro. In diesem Jahr nahm die Sängerin an dem Wettbwerb Neue Stimmen der Bertelsmann-Stiftung teil, der zu einem der führenden Opernwettbewerbe zählt und bereits einige große Sänger produzierte. Olga wurde nach hartem Wettbewerb einstimmig mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Mit "Temerari - Come scoglio" aus "Cosi fan tutte", der Arie "Un bel die vedremo" aus "Madame Butterfly" und Szenen aus La Traviata sang sie sich mit ihrer kraftvollen, gut modulierten Stimme schnell in die Herzen der Zuhörer.
Freitag, 23. September 2011 - 13:33 Uhr
Junge Klassik in der Alten Oper
„Junge Klassik“ lautet der Titel eines neuen Projekts, das die Junge Deutsche Philharmonie, die Alte Oper Frankfurt und das Staatstheater Darmstadt realisieren und das vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht wrd. Anfang September ging man dabei in die Frühklassik zurück und holte sich mit Bolton, dem Chef des Mozarteum-Orchesters Salzburg einen Künstler ans Pult, der quasi prädestiniert für die Musik der Frühklassik(ist. Bolton, der schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert in London ein eigenes Barockensemble gründete und - mit Hilfe der Lufthansa - in der kleinen St. James-Kirche am Picadilly von Christopher Wren eines der frühen Barockfestival ins Leben rief, beeindruckte die Zuhörer mit Haydns Sechster Sinfonie D-Dur, „Le Matin“, die der Komponist für Graf Esterhazys schrieb. Das Orchester konnte durch ein harmonisches Wechselspiel zeigen, dass es gut war, die führenden jungen Musiker aus dem Bundesjugendorchester in diesem hochkarätigen Orchester eine neue Heimat zu geben. Bei Telemanns Suite F-Dur mit den schwierig zu spielenden historischen Waldhörnern konnten die jungen Blechbläser zeigen, wie gut sie es verstehen, die schwierige Partie ohne größere Ausrutscher zu bewältigen, was ihnen mit viel Applaus gedankt wurde. Glucks Ballettmusik zu Don Juan und dem steinernen Gast läßt bietet dem mozartgewohnten Hörer eine andere interessante Bearbeitung der Materie mit spannenden Kontrasten und atemberaubenden Streichertremoli zum schaurigen Ende des Verführers. Ein gelungener Abend!
Freitag, 23. September 2011 - 13:12 Uhr
Mitreissende Cellosonaten mit Capucon und Thibaudet
Man spürt,dass sie eingespielte Partner sind. Vor zehn Jahren traf der französische Cellist Gautier Capuçon erstmals mit seinem Landsmann Jean-Yves Thibaudet beim Spoleto-Festival aufeinander. Der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit, denn seitdem kreuzen sich die Wege der beiden Musiker immer wieder. Beim gemeinsamen Kammermusikabend im Mozart Saal zeigte der erst 30jährige Cellist, dem in diesem Jahr das Interpretenporträt im Rahmen des Auftakt-Festivals gewidmet ist, was er kann. Beethoven-Variationen, die gefühlvolle Cellosonate Schostakowitschs bildeten die erste Runde, während Schumanns Fantasiestücke und Edvard Griegs Cellosonate, die dieser für seinen Bruder zur Versöhnung komponiert hatte und die mit einer knappen halben Stunde Spielzeit zu den längsten Arbeiten dieser Art in der Celloliteratur gehört, den Abschluss bildeten. Man merkte es den beiden Musikern an, dass sie gerne miteinander musizieren, was letztendlich in drei Zugaben u.a. von Kreisler und Fauré seinen Ausdruck fand.
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