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Handekzeme zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen, wobei sie jedoch nicht homogen sind. Der Schweregrad kann von sehr leichten Ausprägungen bis zu schweren chronischen Fällen reichen, die eine lang dauernde Krankschreibung erforderlich machen können. Chronische Handekzeme sind mit hohen Kosten und mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität verbunden. Bei einer Untersuchung in Heidelberg stellte sich heraus, dass über 6 Prozent der untersuchten Patienten mindestens einmal im Jahr daran erkranken. Etwa 50% aller Patienten mit Handekzemen unterziehen sich einer dermatologischen Behandlung und etwa 5% davon wird wegen ihres Handekzems arbeitsunfähig geschrieben. Der Anteil von chronisch schweren Handekzemen wird auf etwa 5 bis 7 % geschätzt. Handekzeme haben eine hohe gesundheitsökonomische und sozialmedizinische Bedeutung. So stehen berufsbedingte Hauterkrankungen seit vielen Jahren an der Spitze der angezeigten Berufskrankheiten. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Friseure, Bäcker, Floristen, Fliesenleger, Zahntechniker und Beschäftigte in Gesundheitsberufen. Die jährliche Neuerkrankungsrate angezeigter Berufsdermatosen liegt in Deutschland bei etwa 0,7 Neuerkrankungen pro 1000 Beschäftigte, wobei die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt.
Mit ihren rund 3.200 niedergelassenen Mitgliedern sind die Dermatologen eher eine der kleineren Facharztgruppen in Deutschland. Dennoch schafft der Berufsverband zusammen mit der Deutschen Dermatologische Gesellschaft (DDG) jährlich rund 21 Millionen Patientenkontakte. Die Neuordnung ihrer Vergütung nach dem Regelsatz verärgert die Hautexperten. In Rheinland Pfalz hat man bereits mit Aktionen wie Praxisschließungen und Kurzarbeit versucht Druck auf die Politik auszuüben, fühlt sich aber von dieser Seite ebenso wie von den Gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung im Stich gelassen. Zu gering, reklamiert man, sei das zur Verfügung stehende Budget pro Patient. Dadurch, dass alle Krankheitsbilder über einen Kamm geschert würden, sei pro Patient und Quartal gerade mal ein Honorar von 16,50 Euro im Topf. Bernd Fritz, niedergelassener Dermatologe aus Landau rechnete anlässlich einer Pressekonferenz zur Präsentation der neuen Leitlinien in Berlin den Fall einer mittelschweren chronischen Erkrankung durch, die nach seiner Berechnung rund 300 Euro pro Quartal verschlingt. Fazit für den Arzt: Wer wirtschaftlich rechnet, kann nur einen von 20 Patienten adäquat behandeln.
Als bedenklich betrachten die Fachärzte das späte Aufsuchen der Experten. Oft vergeht bis zu einem Jahr, bevor die Betroffenen beim Arzt vorsprechen – viel zu spät, da bei frühzeitigem Arztbesuch meist viel besser und wirkungsvoller geholfen werden kann. Dabei waren es nicht einmal die von den Experten schlecht ausgebildeten Hilfskräfte mit mangelhaften Sprachkenntnissen, die den Arztbesuch verschoben, sondern gut ausgebildete Facharbeiter, die lange versuchten die Sache selbst mit Bordmitteln in den Griff zu bekommen.
Die Ärzte haben es nach der schwierigen und zeitintensiven Anamnese bei der Diagnostik mit vier Schweregraden zu tun, die jetzt von einer eigens gebildeten Leitlinienkommission definiert wurden. Neben dem einfach zu behandelnden leichten Handekzem sind es mittelschwere, schwere und letztendlich chronische Erkrankungen, die sich trotz Behandlung oft über Jahre hinziehen. Da einfache Salben nicht immer den gewünschten Erfolg zeigen, werden neben Kortisonpräparaten als Ultima Ratio Immunsuppressoren eingesetzt, die oft von zahlreichen Nebenwirkungen begleitet sind.
Um den Patienten diese kostspielige, risikobehaftete Behandlung zu ersparen, hat man jetzt das Vitamin-A-Derivat Alitretinoin untersucht, das schon seit geraumer Zeit in der Behandlung von Akne eingesetzt wird. Alitretinoin ist zugelassen für die Behandlung des schweren chronischen Handekzems. Alitretinoin wirkt primär antientzündlich (im Gegensatz zu Retinoiden kaum austrocknend). Mit einem Studienprogramm von über 2000 untersuchten Patienten weist es die mit Abstand höchste Wirksamkeit bei der Therapie des chronischen Handekzems auf. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass sich die Symptome des Handekzems unter Alitretinoin 30mg nach 24 Wochen Therapie um 75% verbesserte. Jeder zweite Patient erreichte eine fast vollständige Abheilung. Zwei Drittel blieben auch 6 Monate nach der Behandlung beschwerdefrei. Von den Patienten, die wiederbehandelt werden mussten, heilten 80% erneut vollständig ab, so dass Alitretinoin auch für das Langzeitbehandlung des chronischen Handekzems eingesetzt werden kann. Die empfohlene Standarddosierung von Alitretinoin ist 30mg 1x täglich oral. Die Therapie sollte über 12 – 24 Wochen bzw. bis zur Abheilung durchgeführt werden. Studien zeigten, dass eine Weiterführung der Therapie eine zusätzliche Besserung bringen kann. Alitretinoin wurde insgesamt gut vertragen, Kopfschmerzen, die insbesondere innerhalb der ersten 10 Tage nach Therapiebeginn auftraten und vorübergehend waren, sind die am häufigsten beobachtete Nebenwirkung (bei ca. 20% der Patienten). Alitretinoin besitzt damit das Potential, eine neue Standardtherapie für all jene Patienten zu werden, die gegenwärtig soziale und berufliche Einschränkungen und Behinderungen aufgrund dieser hartnäckigen Krankheit erfahren.
Ob die neuen Präparate aus den Leitlinien, die im April der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll, auch eingesetzt werden können, steht in den Sternen, denn das Problem der nach ihrer Einschätzung unzureichenden Besoldung löst auch die neue Droge nicht.
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Handekzem
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