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John Grisham, Der Anwalt, Heyne, ISBN 3453266153, 21,95 Euro

Die modernen Handykameras sorgen dafür, dass kaum noch etwas "Besonderes" im Leben der meist jüngeren Benutzer unbeobachtet bleibt. Schon mancher Partyausrutscher hat den sicher geglaubten Job in einem Betrieb gekostet, nachdem der Personalchef in Facebook oder einem der anderen Portale Bilder oder Videos davon entdeckt hat und sich sicherhalbshalber für den Bewerber entschied, der ihm nicht in verfänglichen Posen entgegenlächelte. Bei Kyle McAvoy ist es sogar noch etwas schlimmer. Während des Grundstudiums hatte auch er dem Alkoholmissbrauch gefrönt und sich an seiner früheren Uni keine Gelegenheit für ein schnelles Vergnügen entgehen lassen. Nach einer der Parties, an die er sich hinterher kaum noch erinnern konnte hatte ein Mädchen ihn und seine Mitbewohner angezeigt, doch da sie auch sonst recht freizügig war und die angebliche Vergewaltigung erst spät anziegte hatte die Polizei den Vorgang schnell ad acta gelegt. Doch inzwischen ist Kyle ein brillanter Jurastudent in Yale geworden, lebt abstinent und steht als Chefredakteur der angesehenen Law Review kurz vor dem Studienabschluss und einer Bilderbuchkarriere, die ganz political correct, in einer wohltätigen Non-Profit-Organisation beginnen soll. Doch eine dubiose Organisation tritt mit dem undurchschaubaren Bennie Wright in sein Leben, erpresst ihn mit einem Handyvideo der Jugendsünde und zwingt ihn, in Amerikas größte Anwaltskanzlei einzutreten und dort für sie zu spionieren. Der Thriller ist in keiner Weise langweilig und man liest sich mit Genuss hinein.

Damit erweist sich Grisham mal wieder als Meister des Justizthrillers und greift auf sein altes Erfolgsrezept zurück: Ein junger, engagierter, aber unerfahrener Jurist gerät in Konflikt mit einer mächtigen Organisation, die hinter einer Fassade von Rechtschaffenheit in kriminelle Machenschaften verstrickt ist. Klassische Spannung kommt anfangs nicht auf und dann geht es auch recht schnell, was nicht ganz befriedigend ist. Doch die Einsichten in die knallharte Welt einer Wallstreet-Großkanzlei, die Junganwälte mit 20-Stunden-Tagen und 7-Tage-Wochen gnadenlos mit einem Topgehalt schlaucht und ihnen schnell ihrer Illusionen raubt ist faszinierend, ebenso die möglichen Verstrickungen des Staates. Sicherlich eine gute Filmvorlage.




Grisham, Der Anwalt


Asensi, Wächter des Kreuzes
Köstering, Goetheruh