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Hector Berlioz, Memoiren, herausgegeben von Frank Heidlberger, Bärenreiter Verlag, 2007, ISBN 978-3761818251, 64 Euro
Die Memoiren des großen französischen Komponisten beginnen mit einer Textstelle, die ihn beeindruckt hat: "Nichts ist das Leben als ein Schatten", zitiert er sagt Macbeth, "ein Märchen ... ein Narr erzählt's, reich nur an leerem Schalle". Da sie auch mit diesen Verweis auf Shakespeares Macbeth schließen, zeigen sie, dass sie keine Bekenntnisse sein wollen, sondern Momentaufnahmen eines gelebten Dramas. Gleich wo, ob in der römischen Campagna oder am Ufer der Newa, die Welt oder besser die Welten von Hector Berlioz drehen sich um ein für ihn unverrückbares Zentralgestirn: die Musik, seine Musik, dwelche die Menschen mit wahren Leidenschaften bewegen soll. Das von Frank Heidlberger, Professor für Musiktheorie an der University of North Texas herausgegebene Werk macht dem Leser manches über Berliotz klar. Oft findet man in der üblichen Berlioz-Kritik die Behauptung, der geniale Komponist sei areligiös und unpolitisch gewesen, und habe stattdessen seinem geliebten Shakespeare sowie romantischen Idealen eines Lord Byron nachgeträumt. Heidlberger zeigt mit den Memoiren zwar deren tiefen Einfluß auf den Musiker, zeigt aber auch, dass ein Großteil von Berlioz’ Werk politische und religiöse Macht werkästhetisch konstruiert und gerade deshalb »romantisch« ist – allerdings nicht im Sinne der deutschen Romantik mit ihrem idealistisch-träumerischen Zug, sondern im Sinne der französischen, die in hohem Maße politisch war und sein musste. Unpragmatisch war Berlioz nicht wie Liszt ein Mitglied der Saint-Simonisten und schrieb auch keine politischen Pamphlete wie Hugo, sondern äußerte sich symbolisch transformiert durch seine zentralen Werke, vor allem durch solche, die von religiösen Themen handeln oder gar im engeren Sinne liturgisch sind.
Das vorliegende Buch ist ein Seismograph der Kultur, Gesellschaft und Politik seiner Zeit. Neben den öffentlichen legt Berlioz auch private Schichten seines Lebens frei. Er berichtet mit Ehrfurcht von seinem Vater, mit Verachtung von seichten Modekomponisten, mit Zorn von der Pariser Musikbürokratie, mit Wärme von seinen Freunden und mit vielen verschiedenen Schattierungen von seinen kleinen Verliebtheiten und seiner großen Liebe. Somit schuf der Komponist mit seinen Memoiren auch ein literarisches Meisterwerk. Sie legen Zeugnis ab von der berauschenden sprachlichen Fülle dieses Komponisten. Die Edition aus dem Kassler Bärenreiter-Verlag präsentiert eine gelungene vollständige und unabhängige Neuübersetzung durch Dagmar Kräher (die erste seit einem Jahrhundert!!!), welche die Subtilität, Ironie und Drastik der Berlioz'schen Sprache auch im Deutschen lebendig werden lässt und einfach mitreisst. Heidlbergers Arbeit mit Kommentaren, historischen Einordnungen und historisch-biographischen Verzeichnissen machen den Band zu einer gut lesbaren, facettenreichen und interessanten Lektüre für jeden Musikfreund.
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Berlioz Memoiren
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Bego, Elton John Hoffmann. Ein Lesebuch
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